Kurzgeschichte


In einer von ihm 1920 gegründeten mechanischen Werkstatt zur Reparatur von Maschinen und Fahrzeugen aller Art begann Walter Stoye 1925, zunächst auf Kundenwunsch, in der Kochstr. 134 mit der Reparatur, dem Umbau bzw. der Verbesserung von Seitenwagen die ihm Kunden anlieferten. Aus diesen Erfahrungen entstanden schnell die ersten eigenen Seitenwagen die zunächst auch nach Kundenwunsch hergestellt wurden. Zu dieser Zeit begann auch die enge Zusammenarbeit mit J. Mittenzwei, der die Firma zunehmend nach außen vertrat. Bei Motorradfirmen, Vereinen und zu Sportveranstaltungen an denen er selbst mit seiner Frau im Beiwagen erfolgreich teilnahm, warb Mittenzwei für STOYE- Seitenwagen und brachte von dort ständig neue Erkenntnisse und Anforderungen mit.
Stoye war ein sehr einfallsreicher Konstrukteur (von 1928 bis 1965 ca. 15 Patente und Gebrauchsmuster, die teilweise noch heute verwendet werden), aber auch ein geschickter Mechaniker. Er setzte neue Erkenntnisse sehr schnell in seinen Seitenwagenkonstruktionen um und hat so stets technisch fortschrittliche, aber gleichzeitig auch qualitativ hochwertige und formschöne Seitenwagen gebaut . Ende der Zwanziger und vor allem in den Dreißiger Jahren konnten dadurch wiederum von Mittenzwei und zunehmend von den mit Seitenwagen belieferten großen deutschen Motorradherstellern und deren Werkssportfahrern mit STOYE-Gespannen viele internationale Wettbewerbe (z.B. Internationale 6-Tagefahrten 1932 bis 1938, u.v.a.) gewonnen werden.

Aus diesen erfolgreichen Konstruktionen wurden insgesamt ca. 300 verschiedene Seitenwagenmodelle, aber auch Anhänger für Pkw und Motorradgespanne oder -roller (Campi) entwickelt bzw. hergestellt. Mehrere andere Seitenwagenhersteller fertigten mit oder teilweise auch ohne offizielle Zustimmung von STOYE nach dessen Konstruktionen im In- und Ausland eigene Seitenwagen in Lizenz.

Nach der völligen Zerstörung der Gebäude des 3. Firmenstandortes Dösner Weg am 4.12.1943 erfolgte ab 1944 der Umzug in die Lindenthaler Str. in Gohlis. Die auch hier stark beschädigten Gebäude wurden wieder aufgebaut und die Produktion mit aus den Ruinen am Dösner Weg geborgenen Teilen und damit Seitenwagen aus dem Vorkriegsprogramm langsam wieder aufgenommem.
Durch einen von Paul Greifzu vermittelten Kontakt zum sowjetischen Generaldirektor der SAG AWTOWELO in Suhl bekam die Fa. STOYE die Gelegenheit, für die neuentwickelte AWO 425 den Seitenwagen für ein neues Gespann vorzustellen. Das ebenfalls neuentwickelte Modell „SM“, fand die Zustimmung des Generaldirektors Gawrilow.

Damit begann in Gohlis wieder in großen Stückzahlen die Seitenwagenfertigung, zunächst für AWTOWELO/SIMSON, indirekt EMW, später auch MZ. Stoye entwickelte weitere Modelle, z.B. den weltweit ersten speziell für die damals neuen Langschwingenfahrwerke der SIMSON SPORT und MZ ES konstruierten „ELASTIK“. 1962 wurde dieser weiterentwickelt zum „SUPERELASTIK“ und auch nach der Enteignung Stoyes 1972 bis zur Einstellung der Seitenwagenfertigung 1990 fast unverändert produziert.
Insgesamt wurden allein zwischen 1950 und 1990 ca. 150.000 Seitenwagen, ab 1962 mit beginnender Verstaatlichung auch Ersatzteile und Baugruppen für MZ-Motorräder, hergestellt, seit 1972 als „WERK IV“ von MZ. STOYE war damit - neben Watsonian in England - der am längsten produzierende Seitenwagenhersteller der Welt.

2011 wurde, nach intensiver Recherche in der STOYE-Geschichte, mit dem Aufbau eines Archives und Museums begonnen. Es werden ein jährliches Treffen historischer Gespanne sowie verschiedene andere Veranstaltungen durchgeführt.

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